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Literarische Arbeit

In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts änderte sich – rasch, simultan an verschiedenen Orten – die Sicht, was Lyrik sei, was ihr ihre Intensität verleihe. Zentral war ein neuer, ein direkterer Bezug zum sprachlichen „Ding“ oder „Material“: so dass es - schon von sich aus, als ein Eigenes – von vorhandener Semantikbindung unabhängig sei oder höchstens teilabhängig, spielend mit deren Möglichkeiten. Klang, Schriftbild, auch der Sprechvorgang selber waren nun tragende Momente, Worte oder grammatische Figuren zerfielen oder bildeten sich neu. In Frankfurt war Walter Höllerer ein Sammelpunkt der Aktivitäten in dieser Richtung, wesentlich für meine eigene Lyrikarbeit war das fortgesetzte fruchtbare Gespräch mit Benno Schubert und Herbert Heckmann. Einzelne meiner Gedichte erschienen dann in verschiedenen Zeitschriften, Sammlungen, Anthologien, wie sie damals das Literaturgeschehen lebendig machten. Auch ein wenig veröffentlichte Kurzprosa gibt es.

Anfang des 1960er Jahre verstärkte sich mein Kontakt zu Max Bense in Stuttgart und der Gruppe um ihn, zu Reinhard Döhl, Klaus Baumgärtner, Hellmut Heißenbüttel. Einen Einblick in die Lyrikproduktion damals gibt der von Reinhard Döhl herausgegebene Almanach „zwischen-räume“ (Limes Verlag 1963). Auf ein Lesungs-Treffen einer Reihe von Autoren 1962 geht meine dann andauernde Freundschaft mit Ernst Jandl zurück.

Mit Beginn meiner Tätigkeit in Karlsruhe musste literarisches Suchen und Produzieren notwendig zurückstehen. Aber auch, scheint mir: Immer wieder sind Situationen etwa in der Berechenbarkeitstheorie der Lyrikarbeit so nah verwandt. In den beiden Gedichtbänden „der rand der spott“ (1986) und „nicht oder anders“ (2008) ist Bisheriges gesammelt, dabei ist der zweite eine überarbeitete Neuauflage des ersten, mit Abänderungen im Einzelnen.

Eine kleine Zusatzbemerkung. Als ich das Gedicht „zwischen dreizehn soldaten“ jeweils in eine Sammlung mit aufnahm, war mir nicht mehr bewusst, dass eben diese drei Wörter einem Gedicht von Franz Mon entstammen (in „artikulationen“, Neske Verlag 1959) - irgendwie hatten sie sich ins Unterbewusste eingedrückt, hatten dort fortgearbeitet – erst später dann kam ich darauf. Das Gespräch mit Franz Mon hierzu führte zu einem gelöst schönen Nachmittag, ich danke dafür.

Rezension von Frank Milautzcki